Eigenwillig,
störrisch und wunderschön. Sie wachsen, wie es ihnen gefällt. Sie sind
beleidigt, wenn man ihnen zu nahe tritt. Und sie zeigen ihre Freude
wenn sie sich wohl fühlen. Und ich habe alle Hände voll zu tun, den
Pflanzen eine Heimat zu bieten in der es ihnen gut geht. Ich gieße,
schneide, hege und pflege meine Pflanzengäste so, dass sie möglichst
keinen Grund zur Beschwerde haben. Dabei brauchen die Kleinen etwas
mehr Zuwendung als die Alten Hasen. Das ist wie bei den Menschen. Und
irgendwann werden sie mit zunehmendem Alter so eigensinnig, dass meist
Hopfen und Malz verloren zu sein scheint. Dann braucht es Geduld und
viele Einzelgespräche, damit diese betagten Gewächse nicht doch schlapp
machen. Auch da sind Ähnlichkeiten mit uns Menschen nicht von der Hand
zu weisen. Rassistische Probleme konnte ich jedoch bisher noch nicht
ausmachen bei meinen Pflanzen aus aller Welt. Immerhin vereinen sich
hier viele Südländer auf engstem Raum, was bei den Menschen in so
manchem Fußballstadion schon zu tumultartigen Szenen geführt hat. Auch
die Blütenfarbe des Anderen scheint den Pflanzen völlig egal zu sein.
Zum Glück. Denn mit so einem Quatsch wäre ich sicher völlig
überfordert. Ist es ja mit der Hautfarbe bei uns Menschen schon
blödsinnig genug.
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